Historie

Es war einmal vor langer Zeit....

Da saß ich 14-jährig mit einer Schulkameradin zusammen und als uns der Gesprächsstoff ausging, begann ich in einer plötzlichen Eingebung unsere Klassenkameraden zu zeichnen. Da ich aber damals ungern Menschen zeichnete (das ist wohl die „Furry-Seele“ oder das Tier, das ich in mir oder offensichtlich auch anderen sehe^^), wurden daraus kleine, langfellige Tierchen mit spitzer Schnauze, wuscheligem Schwanz und Kulleraugen, die nur an der Frisur und am Verhalten erkennen ließen, wen sie darstellen sollten.

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So sah's mal aus! Das Einzige technische Hilfsmittel war die Kopiermaschine. (Foto by MEL)

Weil sie die Figuren so lustig fand, zeichnete ich sie auch „öffentlich“ und zwar ein Jahr später, als die Oberstufe in einem anderen Schulzweig begann und ich mit einer neuen Klasse zu tun hatte. Plötzlich zeichnete ich ununterbrochen (in den Schulstunden, in denen das möglich war – also alle in denen ich gut war, sprich alles außer Naturwissenschaften XD). Oft konnte ich gar nichts dafür, ich erfüllte lediglich die Wünsche derer, die ihre Mappen, Blöcke oder ähnliches mit einem persönlichen Cartoon verziert haben wollten. Ich zeichnete aber auch Schulstunden, wo ich tagebuchartig einzelne „Highlights“ festhielt. (Diese Zeichnungen verschwanden auf wundersame Weise und sollten erst Jahre später wieder auftauchten, aber dazu weiter unten!) Meine Biologie-Lehrerin meinte dazu einmal genervt, dass sie mir irgendwann ein Malbuch geben würde. Ein Versprechen, das im Übrigen nie eingelöst wurde. Schade, eigentlich!

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Ein Selbstportrait aus der Maturazeitung (Foto by MEL)

Da ich jedoch trotz dauerndem Zeichnens nichts vom Unterricht verpasste und – von Mathematik abgesehen— ganz gute Noten bekam, wurde meine Kritzelei von den Lehrern gemeinhin

akzeptiert und ich bekam von unserer Klassenvorständin (das österreichische Äquivalent zur Klassenlehrerin?!) schließlich den Auftrag, die Projektwoche zeichnerisch zu dokumentieren. Dasselbe galt für die Sportwoche, ein Jahr später (s. Abbildung).

Die Figuren bevölkerten also bald sämtliche Schmierzettel, denen ich habhaft werden konnte, aber sie hatten  noch keinen Namen. Hierfür war meine damals beste Schulfreundin verantwortlich, die irgendwann, als wir über die Gattung der kleinen Pelztiere sprachen, ganz trocken meinte: „Na, das sind Mellies!“

Und dabei blieb es dann!  Also: Der/das oder ein Melly (Sg.) – die Mellies (Pl.). Ganz logisch, oder? :-).  Am Ende schafften es die Mellies sogar in die Maturazeitung, für diejenigen, die sich ein Portrait in dieser Art wünschten.

Intermezzo in der Studienzeit

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Eine Geburtstagskarte für einen Kollegen aus dem Japanisch Kurs auf Papier und endlich in Farbe. (Foto by MEL)

Nach der Schule wurde es erst einmal still um die Mellies. Zwar entstanden ab und an einige Cartoons, aber diese waren mehr für bestimmte Gelegenheiten, wie Geburtstagskarten für Studienkollegen oder Geschenk-Gutscheine für Verwandte und Bekannte. Auch gab es nichts, das ich mit Cartoons hätte kommentieren können, da es ja keine festen Klassen mehr gab und man immer wieder mit anderen Leuten zu tun hatte, war dies mit dem bisherigen Konzept auch nicht möglich. Die Figuren verschwanden also buchstäblich in der Schublade.

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Vom Schmierblatt zum professioneller gestalteten Cartoon: Des ursprüngliche Original wurde zum Entwurf und auf A§ neu gezeichnet! (Foto by MEL)

Ein Highlight erlebten die  Mellies allerdings. Eines Tages saß ich mit meiner ehemaligen besten Schulfreundin zusammen und wir sprachen über die „alten Zeiten“.

Im Gespräch sagte ich dann beiläufig: „Also ich wundere mich was ich damals eigentlich gemacht habe!“ (Denn auf der Uni hatte sich herausgestellt, dass ich plötzlich tatsächlich etwas mehr Zeit ins Lernen investieren musste, als in der Schule).

Meine Freundin strahlte mich an und rief voll Enthusiasmus: „Das kann ich dir sagen, was du gemacht hast! DAS da!“

Und mit diesen Worten legte sie mir eine beige-weinrote Mappe der Größe A 4 vor, die ziemlich gut befüllt war.  Als ich sie öffnete, waren da nicht nur die Cartoons, die sie damals bei mir bestellt hatte, sondern auch alle anderen, die ich einfach so gezeichnet hatte, um mir die Zeit zu vertreiben. Hier waren auch die tagebuchartigen Aufzeichnungen unserer Schuldstunden!

Das fand ich so beeindruckend, dass ich ihr als Geschenk ein komplettes Remake machte. Dabei ging ich schon professioneller vor, als in der Schule. Inzwischen hatte ich nämlich die Gelegenheit mich mit einem angehenden Comic-Zeichner auszutauschen und mir da Anregungen zu holen. Ich zeichnete also den Entwurf auf ein A 3 Blatt und kopierte dieses dann auf A 5,  um ein handliches Format zu bekommen, das die Freundin gut verstauen und lesen konnte. Nun musste ich auch die Originale nicht mehr hergeben!

Das Ganze wurde zu einer Mappe zusammengefasst, die Zeichnungen waren in Kapiteln zusammengefasst und durch einige neue ergänzt, die nur für sie bestimmt waren. Ursprünglich hatte ich geplant mir auch eine Version zu machen, diesen Plan aber nie in die Tat umgesetzt.

Dieses Projekt blieb aber ein Einzelwerk und danach war erst einmal endgültig Schluss.